Yahoo Cocktails Mix: Cloud App-Plattform aus JavaScript / Node.JS, HTML5 und CSS3

Mit Yahoo Cocktails hat das Urgestein des Internet eine Cloud Umgebung speziell für plattformübergreifende WebApps auf Basis von JavaScript / Node.JS angekündigt. Die Wahl der Namen ist schon mal sehr gelungen, zumindest ist Mojito mein Cocktail. Yahoo will zunächst im ersten Quartal 2012 das gleichnamige JavaScript-Framework als Open Source für Entwickler ausliefern und später im Jahr das Hosting von Apps über die eigene Cloud-Plattform Manhattan ermöglichen.

Ich bin gespannt, ob und wie das Framework bei anderen Entwicklern ankommt. Yahoo bietet nun neben Google App Engine, Amazon Beanstalk / Cloud Bees für EC2 und VMware Cloud Foundry eine weiterer Plattform als Service im umkämpften Cloud Markt, jedoch entgegen der Konkurrenz nicht für Java. Yahoo Cocktails ist eine Mischung aus HTML5, CSS3, JavaScript bzw. serverseitigem Node.JS und soll die Entwicklung von Apps unabhängig vom Gerät ermöglichen. Im Browser arbeitet das Web-Anwendungs-Framework Mojito, dass auch YUI und YQL beinhaltet. Auf den Manhattan Servern können Mojito-basierten Anwendungen gehostet werden, da beide Umgebungen mit JavaScript die gleiche Codebasis verwenden. Sollte es wirklich mit einer einzigen Codebasis und ohne spezielle Anpassungen möglich sein für alle gängigen Clients (Web, Mobile und Tablet) gleichzeitig zu entwickeln, dann könnte Cocktails für HTML5-Apps durchaus seinen Platz finden.

Programmiert werden die Apps in JavaScript, um unabhängig von Desktop, iOS und Android zu sein. Auch Clients ohne JavaScript (z.B. Browser im TV) werden unterstützt, da Mojito-Apps dann den Code am Server als Node.JS ausführen. Mit Mojito müssen Entwickler nicht mehr unterschiedlichen Code für das Server-Backend und Browser-Frontend schreiben. Mojito implementiert dazu ein MVC-Pattern (Model View
Controller), bei dem jede Mojits-Komponente gleichzeitig ein Modul aus Business-Logik und ein Widget mit der Benutzeroberfläche ist. Das Framework YUI3 ermöglicht die Abstraktion von Steuerungs- und Dialogschicht, sodass die Anwendung quasi wie ein Fat Client als reine Web-App im Browser, als herkömmliche hybride Client/Server-App oder wie ein Thin Client als reine Server-App ausgeführt werden kann. Mit YQL abstrahiert Cocktails die persistente Datenbankschicht der zentralen Cloud DB sowie lokalen Sqlite DB und übernimmt auch gleich das Caching.

Die Yahoo Cloud Manhattan ist vergleichbar mit Googles App Engine und bietet dem Entwickler eine einfache Schnittstelle für Deployment, Versionsverwaltung und Monitoring der Anwendung. Um Skalierung und Performance der CDN-Infrastruktur (Content Distribution Network) kümmert sich Yahoo. Plattformunabhängige Benutzeroberflächen, die auch webfähig sind, gab es mit GWT oder PowerBuilder schon früher. Neu an Mojito ist die totale Ausrichtung auf reine WebApps, um auf allen internetfähigen Geräte zu laufen.

Molotow – Wo Licht ist, ist auch Schatten …

Mit der Security der Anwendung wird es schwer, da der Nutzer das Javascript einfach ändern kann (Bookmarklet / Firebug). Wie bei einem Javascript-OS die gezielte Manipulation der Datenbank und Cross-Site-Scripting verhindert wird, intessiert mich schon jetzt. Die jüngste Panne bei Amazon zeigt zudem, dass zentrale Sicherheitslücken auf Serverseite selbst bei ausgereiften Cloud Providern existieren können. Es kann sein, dass eine plattformübergreifende WebGUI als kleinster gemeinsamer Nenner zu sehr einengt. Es ist fraglich, ob mit Mojito auch eine App für Facebook und Open Social oder eine Rest-API realisiert werden kann. Copycats haben wahrscheinlich ein noch leichteres Spiel, wenn quasi der gesamte Quellcode der Anwendung inklusive Backend-Logik ausgeliefert wird. Für Mojito-Apps ist vermutlich sogar ein Clone-Generator realisierbar. Was die Cloud bei Yahoo kosten wird, ist noch völlig unklar (Google und Amazon kassieren z.B. kräftig beim Trafik). Solange kein alternativer Server für Manhattan existiert – ähnlich Appscale für Google App Engine – macht man sich total von Yahoo abhängig. Unabhängig kann man auch mit Adobe Phonegap für mobile Geräte entwickeln, womit sogar der Zugriff auf diverse Systemressourcen (Kamera, Dateisystem, Adressbuch, …) funktioniert – hier füllt Cocktails keine Lücke mehr.

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