Das Google SEO Experiment – Suchmaschinenoptimierung für über 500.000 Keywords

Alles begann mit folgendem SEO Experiment:

Was passiert, wenn Google sich selbst durchsucht?

Innerhalb kürzester Zeit wurde meine Testdomain zu über 500.000 Keywords ohne viel Suchmaschienenoptimierung gefunden. Egal welches Thema oder welche Sprache, die Domain war zu allem und jedem in den Top 10 der Suchergebnisse vertreten.

Auch wenn mein Experiment mittlerweile etwas länger zurückliegt, noch heute funktionieren viele Internetprojekte erfolgreich auf Basis des nachfolgend beschriebenen Grundprinzips.

SEO Motto: Masse statt Klasse

Durch Suchmaschinenoptimierung sollen möglichst viele Besucher auf eine Internetseite gelotst werden. Denn letztlich kann man mit jedem Besucher bares Geld verdienen. Bei der Optimierung von Webseiten für Suchmaschienen gibt es zwei vollkommen gegensätzliche Ansätze.


Klassisches SEO versucht für teure Keywords möglichst in die Top 10 bei Google & Co zu kommen, da hier vermeindlich viel Geld zu holen ist. Klar gibt es Begriffe wie „Kredit“ oder „Versicherung“, bei denen man mit jedem Klick gleich mehrere Euro verdient. Das Problem dabei ist, dass sehr viele Optimierer um diese Suchbegriffe kämpfen. Durch das ständige Wettrüsten mit Linkfarmen und Fakeseiten kann diesen Kampf keiner dauerhaft gewinnen. Der Aufwand zur erfolgreichen Optimierung für derartige Schlagworte kostet schnell mehrere tausend Euro, da kontinuierlich in IP-Adressen und bezahle Backlinks investiert werden muss.

Viele Besucher bekommt man aber auch oder gerade durch sehr vielen unterschiedlichen Content. Es wird eher im Trüben gefischt, ganz nach der Devise Kleinvieh macht auch Mist. Diese Methode setzt bei der Kombination mehrere Suchbegriffe an. Im Optimalfall bietet man – wie in meinem Experiment – für jede Permutation und jedes Keyword eine eigene Contentseite an. Bei wenig umkämpften Keywordkombinationen erzielt man mit reiner Onpage Optimierung bereits sehr gute Ergebnisse. In der Masse wird in Suchmaschinen sowieso nicht nach einem einzelnen Begriff („Kredit“), sondern nach unterschiedlichsten Kombinationen gesucht („Kredit günstig“ / „Kredit Schufa“ / …).

Das Experiment – Reverse Search Algorithmus

Vor dem Experiment hätte ich niemals gedacht, dass ich mit einem innerhalb von 10 Minuten runtergehackten Skript derart erfolgreich sein könnte. Die Intention war ursprünglich relevante Co-Keywords zu finden.

Zielsetzung:

Die erste Frage war, welche anderen Begriffe Google einem bestimmten Keyword zuordnet. Oder anders formuliert, welche Keywords stehen aus Sicht von Google in enger Beziehung zueinander und könnten zur Suchmaschinenoptimlierung miteinander kombiniert werden. Zweitens wollte ich wissen, mit welchen Kombinationen ich die Testdomain bei Google ohne Backlinks in den Top 100 platzieren kann. Interessant war auch, wieviel Seiten Google zu einer Domain überhaupt in seinen Index aufnimmt.

Annahme:

Die Grundidee ist, dass mir Google die besten Co-Keywords im Suchergebnis selbst liefert. In den natürlichen Treffern extrahiert Google die Hauptbestandteile (also Co-Keywords) und erstellt daraus einen kurzen Auszug. Insbesondere bei der Werbung werden in den Adwords meist auch die relevanten Schlagworte platziert.

Um wenig umkämpfte Phrasen zu ermitteln, wollte ich Google mit seinen eigenen Suchergebnisse beliefern. Anhand der Serverlogs würde ich sehen, zu welchen Suchbegriffen ich gefunden und angeklickt wurde. Ich vermutete, dass Google meine Contentseiten als relevant betrachtet, wenn ich die gleichen Hauptschlagworte zu einem Keyword liefere.

Algorithmus:

Zuerst habe ich als Kernfunktion die Ermittlung der Co-Keywords realisiert. Mein Skript sucht dazu ganz normal bei Google (google.com/search?q=suchbegriff) nach dem gewünschten Keyword. Aus der HTML-Ergebnisseite wird dann der reine Text extrahiert und allgemeine Füllwörter (und, oder, der, die, das, …) sowie der Suchbegriff entfernt.

Nun wird das Vorkommen jedes Wortes gezählt und die daraus resultierende Wortliste absteigend nach der Keyworddichte sortiert. Für das am häufigsten im Suchergebnis vorkommende Wort unterstellt der Algorithmus einen sehr starken inhaltlichen Bezug zum Suchbegriff.

Ändert Google seinen Rankingalgorithmus, dann ändern sich auch die Suchergebnisse und mein Algorithmus berücksichtigt automatisch Googles neue Gewichtung. Erste Tests zeigten, das dieses Verfahren brauchbare Keywordkombinationen liefert. Die Implementierung meines Reverse Search Algorithmus ist trivial und mein Programm ist keine 50 Zeilen lang.

Aufbereitung:

Im zweiten Schritt habe ich meinen Reverse Search Algorithmus in eine Webseite integriert, um automatisch generierten SEO Content auszuliefern. Durch eine rekursive Verlinkung wurde erreicht, dass beliebig viele Unterseiten erzeugt werden.

Auf der Startseite der Testdomain habe ich fünf starke Keywords (Reise, Immobilien, …) als erste Einstiegslinks platziert. Im Link übergebe ich das Keyword an mein Skript nicht als normalen CGI-Parameter http://www.testdomain.tld/?q=keyword, sondern als Subdomain keyword.testdomain.tld. Ich vermutete, dass Subdomains ein paar Extrapunkte im Google Ranking bekommen würden.

Für die HTML-Seite wurde ein einheitliches Template genutzt, bei dem ich diverse Onpage Maßnahmen (Title, Meta-Keywords, Meta-Description, H1, H2, …) für den Suchbegriff sowie die zugehörigen fünf häufigsten Co-Keywords umgesetzt habe.

Zu den Top 5 Begriffen mit der höchsten Keyworddichte generierte ich einen Link mit eigener Subdomain. Dadurch konnten nahezu unendlich viele Subdomains für alle möglichen Keywords generiert werden. Jetzt wollte ich Google einige Monate die Seiten indezieren lassen und später das Experiment durch eine Langzeitauswertung der Logs beenden.

Der Schock – Explodierender Trafik

Als ich nach ein paar Wochen die Serverstatistik sah, konnte ich mir die enorme Besucherzahl erst nicht erklären. Ich hatte mittlerweile mein kleines 10-minütiges Experiment mit Google fast vergessen.

Innerhalb von vier Wochen hatte Google bereits 100.000 Keywords zu meiner Domain indeziert. Täglich hatte die Domain mehr Besucher, als all meine anderen Projekte ingesamt pro Jahr jemals bekommen würden. Zudem kamen die Gäste aus aller Welt, da ich mittlerweile Content für jede Sprache generierte.

Was war passiert?

Google hatte wie erhofft sich selbst rekursiv indeziert. Aufgrund der Co-Keywords gepaart mit der OnPage-SEO lieferte die Domain aus Sicht von Google zu jedem Thema relevanten Content. Obwohl mit deutschen Begriffen gestartet, wurden durch fremdsprachige Co-Keywords zunehmend auch für alle anderen Sprachen Webseiten generiert.

Der Bumerang – Abmahnungen und Netzgespräch

Zwei Monate später habe ich das SEO Experiment beendet, da sich mittlerweile die Abmahnungen häuften. Eine juristische Auseinandersetzung wäre sehr interessant gewesen, aber nicht wenn ich das Prozessrisiko trage. Es ging darum, ob ein Unternehmen durch eine Markeneintragung die Verwendung „seines“ Begriffes auf anderen Internetseiten untersagen kann. Es gibt immerhin mehr als eine Markenklasse. Zudem ist nahezu jeder Begriff aus dem Duden Bestandteil einer eingetragenen Marke (z.B. Kinder). Auch hätte mich die rechtliche Bewertung von Serverstandort im Ausland sowie Sitz des Admin-C interessiert.

Mittlerweile interessierten sich auch zahlreiche Onlineforen für mein Experiment. Mit 500.000 Seiten bei Google wurde meine Domain besonders häufig bei der Suche nach Personen mit Platz 1 bei Google belohnt. Darüber waren wiederum betroffene Personen nicht glücklich. Immerhin stellte ich dadurch fest, dass offensichtlich jeder bei Google regelmäßig nach sich selbst sucht. Einige Blogger ärgerte sich, dass ich „ihre“ sorgsam recherchierten Keywords aus Artikeln derart verwendet habe.

Die Conclusio – Weniger ist mehr

Wegen der unkontrollierbaren rekursiven Suche / Contentgenerierung und den daraus resultierenden rechtlicher Problemen konnte das Experiment in seiner ursprünglichen Form natürlich nicht weiter betrieben werden. Trotzdem konnten diverse Erfahrungen gesammelt werden.

  • Sehr viel Content bringt sehr viele Besucher.
  • Sehr viele Sprachen bringen noch viel mehr Besucher.
  • Besonders häufig wird nach Personen gesucht.
  • Je schlechter der Inhalt, desto mehr Klicks auf Links.

Der hier beschriebene Ansatz ist in abgewandelter Umsetzung zwar sehr effektiv, aber man berate sich bitte vorher mit seinem Anwalt hinsichtlich Serverstandort und Firmensitz.

Mein hier beschriebenes SEO Experiment stammt aus dem Jahr 2003. Die heute erfolgreichste Umsetzung des Reverse Search Algorithmus sind, wen wundert es, Personensuchmaschinen. Hier bewegen wir uns bereits in einer rechtlichen Grauzone, denn auch die angezapften Suchmaschinen können u.U. gegen eine Verwendung ihrer Suchergebnisse vorgehen.

Viel besser sind aus Datenbanken stammende Inhalte, um schnell viel Content für kombinierte Keywords zu generieren. Wichtig ist dabei, dass keine Probleme mit Urheberrechten und Marken entstehen. Markenrechtliche Problem hat man bei klassischem SEO übrigens auch.

Wer aufmerksam die Suchergebnisse von Google & Co betrachtet, der findet zahlreiche datenbankgetriebene Contentgeneratoren (Wörterbücher, Synonyme, Postleitzahlen, Rezepte, Zitate, Sprüche, Whois-Register, Branchenbücher, …).

PS: Allen weiterhin viel Spaß bei ihren Experimenten

EN FR ES CN IT

Advertisements

3 Responses to Das Google SEO Experiment – Suchmaschinenoptimierung für über 500.000 Keywords

  1. Max Adler says:

    „Je schlechter der Inhalt, desto mehr Klicks auf Links.“
    Lol. Nach dem Motto: Bloß weg hier. 🙂
    Ne, im Ernst. Wenn es so einfach wäre, dann wären wir alle schon unglaublich reich. Viel Content ist richtig, aber es muss auch Top-Content sein. Die Nachricht muss sich rumsprechen.
    Grüße
    Max

    • RoHa says:

      Reich ist relativ, aber verglichen mit den allgemein im Internet veröffentlichten Blogeinnahmen war das Experiment sehr erfolgreich.

      Da keinerlei sinnvoller Content ausgeliefert wurde, hat ein hoher Anteil der Besucher direkt auf die angebotenen Partnerlinks geklickt. Wer möglichst viele Klicks auf Adlinks generieren möchte, der kann dies durch den Content steuern.

      Wie beschrieben war dies ein Experiment, dass sich in eine andere Richtung entwickelt hatte. Schon wegen der rechtlichen Aspekte braucht man ein dickes Fell. Es gibt aber viele Möglichkeiten, die Methode sauber umzusetzen.

  2. Pingback: Schnell reich werden! Wie man im Internet viel Geld verdienen kann. « RoHaBlog ✍

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: